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Solarprojektentwicklung von A bis Z: So baut man einen Solarpark in Deutschland

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WIWIN - Nachhaltig investieren
7 Minuten Lesezeit

Die Solarenergie spielt neben der Windkraft eine essenzielle Rolle bei der Energiewende. Bis zum Jahr 2030 sollen laut Bundesregierung PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 215.000 MW errichtet werden, um so die gesteckten Klimaziele und die angestrebte Energiewende zu erreichen. Zwei, die einen erheblichen Beitrag dazu leisten, dass dieses Ziel gelingt, sind Christof Schmieg und Thomas Benz von der ASG Versum AG. Beide haben bereits seit etlichen Jahren Erfahrungen im Bereich Erneuerbare Energien gesammelt und sind aktuell vor allem in die Solarprojektentwicklung involviert. In einem gemeinsamen Gespräch haben sie uns erzählt, wie man ein Solarprojekt plant, was es dabei zu beachten gilt und warum allein der Zubau an PV-Anlagen für die Energiewende nicht genügt.

Gemeinsame Vergangenheit & neue Herausforderungen

Rund ums Thema Nachhaltigkeit kennen sich Christof & Thomas bestens aus. Beide verbindet eine gemeinsame Vergangenheit bei der Umweltbank, bei welcher Christof 13 und Thomas ganze 18 Jahre lang beschäftigt gewesen ist. Während Thomas bereits die Projektfinanzierung im Bereich Photovoltaik mitbetreut hat, war Christof zwischenzeitlich auch für einen Energieversorger tätig. „Ich habe mich mein gesamtes Arbeitsleben schon mit Photovoltaik beschäftigt“, erzählt er. Insofern war die Motivation klar, mit der ASG eigenständig Projekte aufzusetzen und einen Eigenbestand an Anlagen aufzubauen.

Darüber hinaus liegt beiden eine nachhaltige Zukunft am Herzen: „Wir möchten eine grünere Welt für unsere Kinder hinterlassen. Da ist unser Antrieb“, betont Thomas. Die dafür notwendige Kompetenz innerhalb der facettenreichen Projektentwicklung im PV-Bereich besitzen beide ohne Frage.

Die gegenwärtigen Herausforderungen in der Solarprojektentwicklung sieht Thomas besonders im Wettbewerb und dem stetig ansteigenden Volumen an PV-Anlagen. „Um deinen Anteil an der Energiewende zu festigen, braucht es gute Vorarbeit“, konstatiert er. Diese Vorbereitung wurden insbesondere im Jahr 2023 mit der Gründung der ASG Versum AG und der ASG SolarInvest GmbH getätigt. Nun setzt das interdisziplinäre Team alles auf die Umsetzung der geplanten Projekte, wobei sich die Arbeit aktuell vor allem auf die Flächenakquise und Projektentwicklung konzentriert.

Wie läuft die Projektentwicklung eines Solarparks ab?

Prinzipiell unterscheidet sich die Projektentwicklung eines Solarparks nur formal von derer eines Windparks. Trotz der inhaltlichen Differenz benötigen auch hier die Flächensicherung, Genehmigung, Planung und Umsetzung einiges an Zeit. „Der größte Unterschied ist der formale Ablauf. Statt einer BImSchG-Genehmigung handelt es sich bei der Solarprojektentwicklung in der Regel um ein Bebauungsplan-Verfahren. Daneben hat der Gesetzgeber für ausgesuchte Flächenkategorien ein verkürztes Verfahren im Rahmen der Privilegierung geschaffen“, erklärt Christof.

Der bürokratische Aufwand

Der bürokratische Aufwand ist auch bei der Planung eines Solarparks definitiv nicht zu unterschätzen, allerdings mit einer Ausnahme: „Die Besonderheit der Privilegierung ermöglicht uns eine schnellere Planung und Umsetzung“, so Thomas. Jene besagt nämlich, dass Solarparks längs von Autobahnen oder den HauptSschienenwegen in einem bestimmten Radius grundsätzlich bauplanungsrechtlich nur mit einem Bauantrag genehmigungsfähig sind, wenn keine öffentlichen Belange entgegenstehen. Somit können sich die Genehmigungsprozesse deutlich beschleunigen. Ein Projekt mit einem formalen Bebauungsplanverfahren hingegen nimmt in der Regel zwischen 12 und 24 Monate an Planungszeit in Anspruch.

Bei der für die Projektentwicklung notwendigen Flächensuche sehen Thomas und Christof ihrerseits Vorteile in der Tatsache, dass sie die Flächen selbst bebauen sowie betreiben und die Flächen damit nicht als Spekulationsobjekt nutzen. Zum anderen setzt die ASG regionale Projekte in Brandenburg und Sachsen-Anhalt um und kooperiert dabei auch mit der Bevölkerung sowie weiteren Akteuren vor Ort. „Wir fokussieren uns auf bestimmte Gebiete, um Cluster zu bilden und somit wirtschaftlich erfolgreich zu sein“, erklärt Thomas.

Bürgerbeteiligung bei Solarprojekten

Grundsätzlich bieten EE-Projekte eine gute Möglichkeit, Anwohner/innen direkt am Vorhaben zu beteiligen. Die Bürgerbeteiligung kann dabei über verschiedene Wege geschehen. Generell existiert etwa bei der ASG die Möglichkeit, sich finanziell an Solarparks zu beteiligen.

Eine Option ist das Angebot eines sogenannten Bürgerstromtarifs an Personen, welche in einem gewissen Umkreis zum Solarpark wohnen. „In Zusammenarbeit mit einem Partner können die Anrainer/innen dann von vergünstigten Stromtarifen profitieren“, erklärt Christof.

In der Projektentwicklung für Solarenergie ist es im Allgemeinen wichtig, die Anwohner/innen so früh wie möglich in den Prozess einzubinden. Neben den Verpächtern oder Eigentümern soll auf diese Weise auch die Bevölkerung transparent über Beschlüsse und Vorhaben informiert werden. Dies geschieht beispielsweise über Bürgerversammlungen oder Informationsveranstaltungen in einer Gemeinde bzw. Kommune. Thomas erklärt dazu, dass es wichtig ist, die Anwohner/innen frühzeitig von den Vorteilen zu überzeugen: „Wir möchten den Menschen vor Ort klarmachen, welche Möglichkeiten mit einem Solarpark für die Ortschaft entstehen und somit auch versuchen, mögliche Widerstände abzubauen“, sagt er.

Hindernisse und Widrigkeiten

Trotz der Involvierung der Bürger/innen vor Ort sowie einiger gesetzlicher Erleichterungen stoßen Solarprojektentwickler/innen immer wieder auf Hindernisse und Hürden im Prozess. Zu Beginn des Projekts betrifft dies vor allem den Status der Fläche. Dabei muss beachtet werden, um was für eine Art von Fläche es sich handelt, und ob sie überhaupt für Solarenergie genutzt werden kann.

Ein großer Aspekt, der ebenfalls zum Anfang der Planung auftritt, betrifft zum Beispiel den Landschafts- bzw. Naturschutz. „Hier muss zu Beginn genau geprüft werden, welche Flächen in Frage kommen und was beachtet werden muss, damit Nachfolgearbeit für alle Beteiligten nicht umsonst ist“, erklärt Thomas. Ähnlich wie bei der Windprojektentwicklung muss hierbei auf verschiedene Tier- oder Pflanzenarten Rücksicht genommen oder für Ausgleichsmaßnahmen gesorgt werden.

Ebenso muss der Netzanschluss des Solarparks frühzeitig gesichert sein. Sollte dies nicht geschehen, läuft man Gefahr, einen Anschluss zu verlieren oder etwa weniger als geplant einspeisen zu können, da die freien Netzkapazitäten weniger werden. Hier braucht es neue Konzepte für eine optimale Ausnutzung eines Netzanschlusspunktes. Vor allem auf der Mittelspannungsebene ist die Verfügbarkeit gering und der Kosten- und Konkurrenzdruck dementsprechend hoch.

Damit einher geht eine weitere große Hürde, die genommen werden muss, um den Solarpark betreiben zu können. Um nämlich Abnehmer/innen für den produzierten Strom bei EEG-fähigen Solarparks zu finden, muss ein Angebot für einen Stromtarif abgegeben werden. In der Photovoltaik ist die Nachfrage bei den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur allerdings meist deutlich größer als das Angebot der Ausschreibung. Aufgrund der eingeschränkten Flächenkulisse des EEG, der Größenbegrenzung und der hohen Nachfrage bei begrenztem Angebot bei Ausschreibungen haben sich bereits seit einiger Zeit sogenannte PPA-Verträge etabliert. Diese Power Purchase Agreements sind Stromlieferverträge, bei denen die Abnehmer oftmals große Industrieunternehmen mit großem Strombedarf oder Energieversorger sind und die abseits der Ausschreibung der BNetzA laufen. Ein Verfahren, welches gegenwärtig bei der Photovoltaik eine deutlich größere Rolle spielt als noch bei der Windkraft.

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„Wenn die Hälfte des Stroms nicht eingespeist werden kann bzw. aufgrund von Überlastung abgeriegelt werden muss, hilft uns nur der Ausbau nur bedingt weiter. Hierbei ist die Politik in der Pflicht, bessere infrastrukturelle Bedingungen zu schaffen, um den Strom auch effizient nutzen zu können.“

– Christof Schmieg, Co-Founder und Vorstand Finanzierung bei der ASG Versum AG

Die Rolle der Solarkraft für die Energiewende

Um die Energiewende zu erreichen, müssen die Erneuerbaren kontinuierlich ausgebaut werden. Die Solarkraft spielt dabei eine entscheidende Rolle, allerdings kann sie nicht allein den Strombedarf decken. Viel wichtiger ist es deshalb, Wind- und Sonnenenergie im Verbund zu sehen, da die Energiewende nur gelingen kann, wenn beide Formen ausgebaut sowie gefördert und darüber hinaus die Wärme- und Verkehrswende erfolgreich gestaltet werden.

Entscheidend für die Solarkraft ist dabei die Stärkung der Netzkapazitäten. Sowohl Christof als auch Thomas sind zuversichtlich, dass die Ausbauziele der Photovoltaik erreicht werden können, wenn keine Handelsbarrieren zu China aufgebaut werden. Allerdings kann dieses Potenzial nur ausgeschöpft werden, wenn parallel die Stromnetze ausgebaut und gestärkt werden sowie Stromspeicher ans Netz angeschlossen werden. „Wenn die Hälfte des Stroms nicht eingespeist werden kann bzw. aufgrund von Überlastung abgeriegelt werden muss, hilft uns nur der Ausbau nur bedingt weiter“, betont Christof. Hierbei ist die Politik in der Pflicht, bessere infrastrukturelle Bedingungen zu schaffen, um den Strom auch effizient nutzen zu können.

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„Solarstrom wird weiterhin die günstigste Energieform sein und wenn jeder einzelne günstige Energie bei sich zuhause haben möchte, dann gibt es keine nachvollziehbaren Argumente gegen PV.“

– Thomas Benz, Co-Founder und Projektentwickler bei der ASG Versum AG

Ziele und Wünsche für die Zukunft

Während 2023 insbesondere interne Prozesse in der ASG effizienter gestaltet wurden, um eine vollumfängliche Planung, Umsetzung und Betreibung von Solarparks zu ermöglichen, steht in diesem Herbst bereits der Baubeginn des ersten größeren Solarprojekts an. Wie du die Solarprojekte der ASG unterstützen und selbst davon profitieren kannst, erfährst du hier.

„Momentan haben wir über 20 Projekte in der Entwicklung, von denen jedes bei etwa 20MW Leistung liegt“, erzählt Thomas. Bei einigen Projekten werden aktuell die dafür nötigen Bebauungsplan-Entwürfe erstellt, so dass dann im Rahmen der Bauleitplanung mit der Trägerbeteiligung gestartet werden kann. Ab Ende 2025 sollen dann einige Projekte parallel errichtet werden.

Damit all das in Zukunft noch effizienter geschehen kann, wünschen sich Christof und Thomas von der Politik vor allem eine Erleichterung bei der Flächenauswahl, mehr Pragmatismus beim Landschaftsschutz sowie einen Ausbau der Netzkapazitäten. Darüber hinaus kann eine Ausweitung der Privilegierung sowie die Vereinfachung der Bauleitverfahren für eine schnellere Umsetzung der Projekte sorgen.

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Die Zukunft der Solarenergie

Der politische oder ideologische Gegenwind, welcher insbesondere bei der Windkraft zu spüren ist, ist bei der Photovoltaik hingegen mittlerweile kaum noch vorhanden. Entgegen anfänglicher Befürchtungen ist es mitunter sogar so, dass PV-Flächen für eine gesteigerte Biodiversität sorgen, da sie nicht etwa durch intensive Landwirtschaft und Düngereinsatz zusätzlich geschädigt werden, sondern einen geschützten und extensiv genutzten Lebensraum schaffen.

„Solarstrom wird weiterhin die günstigste Energieform sein und wenn jeder einzelne günstige Energie bei sich zuhause haben möchte, dann gibt es keine nachvollziehbaren Argumente gegen PV“, so Thomas abschließend. Die Energiewende profitiert somit auch von guten Argumenten und erfolgreicher Überzeugungsarbeit. Günstiger und nachhaltiger Strom, der idealerweise noch in der eigenen Region produziert wird, wer will das nicht?

Christof und Thomas werden weiterhin ihren Teil dazu beitragen, die Stromerzeugung in Deutschland nachhaltiger zu gestalten und günstigen Strom zu liefern. Auch wenn es bis zur erfolgreichen Energiewende einiges an Zeit und Aufwand benötigt, ist die Solarindustrie auf einem guten Weg.

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