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Modularer Holzbau: Sieht so die Zukunft des Bauens aus?

Autor/in:
WIWIN - Nachhaltig investieren
5 Minuten Lesezeit

Der Bausektor ist die weltweit größte Industrie und bislang eine der klimaschädlichsten Branchen überhaupt. Angesichts des Klimawandels ist die Baubranche mit erheblichem Handlungsbedarf und gewaltigen Herausforderungen konfrontiert. Um den Klimawandel erfolgreich zu bewältigen, ist eine grundlegende Veränderung in der Art und Weise, wie wir bauen, unerlässlich – hin zu einer ressourcenschonenden, effizienten und nachhaltigen Bauweise. Es gibt bereits innovative Wege, die diese Anforderungen erfüllen: Modularer Holzbau verspricht flexiblen, nachhaltigen und ästhetischen Haus- bzw. Wohnungsbau. Ist das die Zukunft des Bauens?

Wie funktioniert modularer Holzbau?

Genau wie beim modularen Bauen mit anderen Materialien, geht es beim modularen Holzbau in der Regel darum, schnell und effizient zu bauen.

Ganze Bauteile, die Module, werden deshalb bereits in einem Werk zusammengebaut und auf dem Baugrundstück nur noch zusammengesetzt, weshalb dieser Prozess auch serielles Bauen genannt wird. Auf diese Weise werden langwierige Bauzeiten umgangen, da die Montage direkt vor Ort erfolgt. Anschließend kann der fertige Rohbau final ausgebaut und der Bau damit abgeschlossen werden.

Es gibt verschiedene Arten von Modulen, die je nach Bedarf konfiguriert werden können, wie zum Beispiel Wohnmodule, Büro- oder Gewerbemodule. Diese Module werden in den meisten Fällen in standardisierten Größen und Formen hergestellt, was die Planung und den Bau beschleunigt und Kosten einspart. Die Vielseitigkeit und Effizienz dieser Bauweise machen sie zu einer attraktiven Option für viele Bauprojekte weltweit. Auch in Deutschland nehmen Modulbauten eine immer wichtigere Rolle ein und viele Bauträger suchen neben dem Massivbau nach alternativen Baumöglichkeiten.

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Holz als nachhaltiger Baustoff und seine Vorteile

Fakt ist: Bauen muss klimaschonender werden. Global gesehen ist die Baubranche für knapp 40 % der CO₂-Emissionen verantwortlich. In Deutschland sind es etwa 30 %. Um die Klimaziele einzuhalten und die Nachhaltigkeitswende voranzubringen, braucht es innovative Ansätze wie das serielle Bauen mit Holz. Doch was genau macht Holz zu einem nachhaltigen Baumaterial?

Der wohl offensichtlichste Fakt ist der, dass Holz ein nachwachsender Rohstoff ist. Somit besitzt es einen nicht von der Hand zuweisenden Vorteil gegenüber fast allen anderen Baumaterialien, da gerodete Flächen wieder aufgeforstet werden können. Der Begriff Nachhaltigkeit stammt ursprünglich sogar aus der Forstwirtschaft. Mit dem Leitsatz „Rode nur so viel, wie auch nachwachsen kann“, entwickelte man im 18. Jahrhundert im Kontext einer zunehmenden Holznot ein Bewusstsein für die Bedeutung der kontrollierten Baumfällung.

Ein weiterer positiver Effekt von Holz: Es fungiert als natürlicher CO₂-Speicher. Bäume nehmen während ihres Wachstums Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre auf und speichern es. Ein Kubikmeter Holz bindet rund eine Tonne des klimaschädlichen Gases. Auch nach der Verarbeitung bleibt der Kohlenstoff im Holz gebunden, was dazu beiträgt, dass Holz als Baumaterial klimafreundlich ist. Zudem kann die Holznutzung für die CO₂-Speicherung der Wälder sogar hilfreich sein. Was paradox klingt, hat einen einfachen Grund: Die Senkenfunktion, also die Fähigkeit mehr CO₂ zu speichern, wird dadurch gefördert, denn junge und mittelalte Wälder bzw. Bäume binden deutlich mehr Kohlenstoffdioxid.

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Doch die Vorteile enden nicht mit dem Bauprozess, sondern sind auch danach sichtbar. Holz kann nämlich in den meisten Fällen recycelt oder wiederverwendet werden, was die Notwendigkeit neuer Rohstoffe reduziert und Abfall minimiert. Sollte dies nicht möglich sein oder das Material seine endgültige Lebensdauer erreicht haben, kann Holz natürlich abgebaut werden, ohne größere Umweltauswirkungen zu hinterlassen.

Wie so oft jedoch sollte beim Holz genau auf seinen Ursprung geachtet werden. Illegale Abholzung, nicht nachhaltige Forstwirtschaft und lange Transportwege können die ökologischen Vorteile beeinträchtigen. Zudem muss bei der Verwendung von Holz für Bauzwecke auch die Zertifizierung berücksichtigt werden, um sicherzustellen, dass das Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammt. Tropenhölzer beispielsweise werden oft illegal gerodet und bergen die Gefahr, tierische oder pflanzliche Schädlinge einzuschleppen. Die vielen Vorteile von Holz ergeben sich vor allem dann, wenn heimische Baumarten genutzt werden, die aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen und beim Bau ökonomische wie ökologische Perspektiven in Einklang gebracht werden.

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Die Zukunft des modularen Holzbaus

In ganz Deutschland fehlt es an Wohnungen, immer wieder werden die selbstgesteckten Ziele der Bundesregierung im Wohnungsbau verfehlt. Holz und vor allem der modulare Holzbau können einen entscheidenden Beitrag zur Problemlösung leisten. Bis 2030 soll eine Holzbauquote von 30 Prozent erreicht werden, dieses Ziel hat die sich Agrarministerkonferenz gesetzt und in gleicher Weise eine gesetzliche Erleichterung für Holzbauten gefördert. Aktuell liegt der Anteil an Ein- und Zweifamilienhäusern in Holzbauweise bei 23 Prozent. Ein deutlicher Anstieg zu den nur etwa fünf Prozent in den 90er-Jahren, jedoch ist der Anteil bei Mehrfamilienhäusern deutlich niedriger. Gerade einmal vier Prozent der Bestandsbauten wurde in Holzbauweise gefertigt. Noch geringer ist dementsprechend der Anteil an modularen Holzbauten.

Dabei bietet der Modulbau mit Holz insbesondere in städtischen Gebieten großes Potenzial für die Nachverdichtung, etwa durch die Aufstockung bestehender Gebäude. Dadurch kann Wohnraum geschaffen werden, ohne zusätzliche Flächen zu beanspruchen und es entstehen attraktive, lebenswerte Quartiere. Die industrielle Vorfertigung von Decken, Wandelementen und sogar ganzen Raumzellenmodulen ermöglicht äußerst kurze Bauzeiten und beschleunigt damit den gesamten Wohnungsbauprozess. Dafür wird entsprechend deutlich mehr Holz benötigt. Schädlich für die heimischen Wälder ist dies bei nachhaltiger Nutzung jedoch nicht.

Eine Studie der Ruhr-Universität Bochum hat 2017 herausgefunden, dass für eine Verdopplung der Holzbauten in Deutschland etwa vier Millionen Kubikmeter Holz benötigt werden. Zum Vergleich: In den vergangenen Jahren wurde Holz in der Größenordnung von 20 bis 30 Millionen Kubikmetern exportiert. Die Verfügbarkeit ist demnach kein Problem. Entscheidend für eine Transformation der Baubranche sind innovative Ideen und der politische Wille, Holz als Baustoff der Zukunft zu fördern.

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