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PRIOGO-Gründer: “Mit jedem unserer Solarprojekte tragen wir aktiv zur dezentralen Energieversorgung bei”

Jens Secker
Autor/in:
Jens Secker
5 Minuten Lesezeit

PRIOGO ist ein Energieunternehmen aus Zülpich bei Köln. Das Team um Gründer David Muggli plant und installiert schlüsselfertige Energiesysteme, sowohl für Privatpersonen und Gewerbekunden als auch für Kommunen und Industrieunternehmen. Zu den Produkten gehören Photovoltaik-Anlagen, Stromspeicher, Wärmepumpen sowie Wallboxen für Elektrofahrzeuge. Seit Anfang August haben Privatpersonen die Möglichkeit, über WIWIN in PRIOGO zu investieren. Im Interview sprechen David Muggli und Felix Auspurg (WIWIN Head of Operations) über die Entwicklung des Zülpicher Unternehmens, die Chancen durch das Crowdinvesting und die Nachhaltigkeitswende in Deutschland.

David, was ist aktuell das Hauptkriterium, warum sich eure Kundinnen und Kunden für eine eigene Solaranlage entscheiden?

David: Es sind vor allem zwei Faktoren, die unsere Kunden antreiben: der Wunsch, mit einer Solaranlage Stromkosten einzusparen und unabhängig bei der Energieversorgung zu sein. Mit Hilfe einer Photovoltaik-Anlage lässt sich tagtäglich bares Geld sparen – ein Effekt, der sich immer weiter verstärkt, je mehr Komponenten an das solare Energiesystem angeschlossen werden. Nutzt ein Haushalt beispielsweise zusätzlich zur Solaranlage auch eine Wärmepumpe zum Heizen und eine Wallbox, um das Elektroauto zu laden, ist das Einsparpotenzial noch einmal um ein Vielfaches höher. Diese sogenannte Sektorkopplung ist schon seit sehr vielen Jahren tief in unserer DNA verankert.

 

Hat sich die Nachfrage nach solchen ganzheitlichen Energiesystemen seit Ausbruch des Ukraine-Krieges stark verändert?

Felix Auspurg, Head of Operations bei WIWIN, und David Muggli, Vorstandsvorsitzender bei PRIOGO

Felix Auspurg, Head of Operations bei WIWIN, und David Muggli, Vorstandsvorsitzender bei PRIOGO

David: Und wie! Die Ukraine-Krise hat den Wunsch der Menschen nach einer unabhängigen Energieversorgung massiv verstärkt – und zwar sowohl was die Unabhängigkeit von fossilen Energiequellen wie Öl und Gas angeht als auch die Unabhängigkeit von generell sämtlichen Unwägbarkeiten am Markt. Interessant ist dabei auch zu sehen, wie gerne die Menschen Fakten schaffen wollen. Während wir vor etwa zehn Jahren das Modell Sektorkopplung überhaupt erst erklären mussten, kommen unsere Kundinnen und Kunden heute aktiv auf uns zu und fragen gezielt an, ob wir ihnen auch eine Wärmepumpe einbauen können. Von der Planung bis hin zur Installation übernehmen wir hier sämtliche Arbeitsschritte aus einer Hand.

 

Welches Ziel verfolgt ihr mit PRIOGO?

David: Wir wollen die Energiewende mit voller Kraft vorantreiben; und zwar nicht im Schneckentempo, sondern am liebsten in Überschallgeschwindigkeit. Mit jedem unserer Solarprojekte tragen wir aktiv zu einer dezentralen Energieversorgung bei. Schließlich wartet der Klimawandel auch nicht darauf, bis wir uns irgendwann einmal entschieden haben, zu handeln. Wir müssen jetzt aktiv werden und so viele Menschen wie möglich an dieser Mission beteiligen. Deshalb bin ich auch besonders stolz darauf, dass wir uns über die vergangenen Jahre hinweg ein so großes Know-how aufgebaut haben, was die Installation von Solaranlagen in jedweder Größenordnung angeht: von der klassischen PV-Anlage auf einem Einfamilienhaus bis hin zu Großanlagen für Gewerbetreibende und Freiflächen-Anlagen.

David Muggli, Vorstand PRIOGO

„Wir wollen die Energiewende mit voller Kraft vorantreiben; und zwar nicht im Schneckentempo, sondern am liebsten in Überschallgeschwindigkeit.“

– David Muggli, Vorstandsvorsitzender Priogo AG

Was macht PRIOGO für dich so besonders, Felix?

Felix: PRIOGO denkt die Nachhaltigkeitswende schon seit vielen, vielen Jahren ganzheitlich. Die flächendeckende Verbreitung und Nutzung Erneuerbarer Energien geht Hand in Hand mit der Wärmewende und der Transformation des Mobilitätssektors. All diese Komponenten bündelt PRIOGO und setzt sie für Kundinnen und Kunden mit einer hohen Servicequalität um. Wie tief das Wissen zur Sektorkopplung im Team verankert ist, sieht man allein auch, wenn man sich Davids Lebenslauf genauer ansieht. Als gelernter Elektromeister und Heizungsinstallateur vereint er das Know-how aus Solar- und Wärmewelt faktisch in Personalunion.

 

Wie hat sich PRIOGO in den vergangenen Jahren entwickelt?

David: PRIOGO wurde 2007 gegründet. In den ersten zehn Jahren nach Firmengründung haben wir uns kontinuierlich von einem reinen Endkunden-Anbieter hin zu einem ganzheitlichen Greentech-Konzern mit Privat- und Gewerbekunden entwickelt. Heute decken wir wie gesagt das gesamte Installationsspektrum bei Solaranlagen ab. Neben unserer Firmenzentrale in Zülpich in Nordrhein-Westfalen haben wir gerade in den vergangenen Jahren intensiv damit begonnen, uns auch bundesweit deutlich breiter aufzustellen. Nach der Gründung unseres Standortes PRIOGO West in Dortmund im Jahr 2020 kamen im vergangenen Jahr noch zwei weitere Standorte hinzu: PRIOGO Ost in Berlin-Brandenburg und PRIOGO Süd-West in Stuttgart. Damit ist auch unser Team immer weitergewachsen.

 

Welche Ziele wollt ihr durch das Crowdinvesting bei WIWIN erreichen?

David: Mit Hilfe der Wachstumsfinanzierung wollen wir unserem Ziel, als bundesweiter Player am Markt zu agieren, ein weiteres großes Stück näherkommen. Dazu haben wir vor allem drei Maßnahmen definiert, in deren Umsetzung auch das eingesammelte Kapital fließen soll: den Auf- und Ausbau neuer Standorte, den Aufbau von zentralen Lagern inklusive der Entwicklung eines nationalen Logistikkonzepts und die Fort- und Weiterbildung von Fachkräften. Bis 2028 soll die PRIOGO Gruppe auf insgesamt 28 Standorte deutschlandweit wachsen. Dafür brauchen wir ein ausgeklügeltes Logistikkonzept, das es uns ermöglicht, Material ausreichend bevorraten und so Projekte noch schneller als bislang umsetzen zu können. Auf Teamseite wollen wir bis 2028 die Zahl von 700 Mitarbeitenden knacken und dazu intensiv in die Förderung unserer Talente investieren.

 

Warum habt ihr WIWIN als Plattform ausgewählt?

David: Genauso wie wir mit unseren Solarprojekten die dezentrale Energieversorgung stärken wollen, basiert auch Crowdinvesting auf einem demokratischen Prinzip: Viele Menschen erhalten die Möglichkeit, jede und jeder für sich in ein Projekt investieren und später am gemeinsamen Erfolg partizipieren zu können. Diese Finanzierungsform entspricht exakt unseren Werten. Zusätzlich verfügt das WIWIN-Team über eine wirklich einzigartige Expertise im Bereich Erneuerbare Energien – und handelt hier aus echter Überzeugung heraus. Dieser Aspekt war uns besonders wichtig, schließlich legen auch unsere Mitarbeitenden großen Wert auf den Impact ihrer Arbeit. Das sehen wir sowohl bei den Team-Mitgliedern, die schon länger bei uns an Bord sind als auch bei jungen Berufsanfängerinnen und -anfängern.

 

Mit Blick auf die deutschen und europäischen Klimaziele: Welche Maßnahmen müssten aus Eurer Sicht umgesetzt werden, damit der Photovoltaik-Ausbau noch schneller vorangehen kann?

Felix: Aus meiner Sicht liegt der größte Hebel für die Energiewende in vielfältigen Bürgerbeteiligungsmöglichkeiten. Das heißt, Bürgerinnen und Bürgern sollten möglichst viele Wege zur Verfügung stehen, wie sie am Ausbau der Erneuerbaren Energien partizipieren können. Ein Weg, der ihnen hier bisher noch verschlossen ist, ist das sogenannte Energy Sharing. Dahinter verbirgt sich das Prinzip, dass Privatpersonen Windkraft- und Solaranlagen in ihrer Region mitfinanzieren und gleichzeitig den sauber produzierten Strom selbst beziehen können. Die Europäische Union hat das Energy Sharing schon seit vielen Jahren in einer Richtlinie verankert; trotzdem ist das Konzept in Deutschland aber noch immer nicht verwirklicht. Dieser Missstand sollte endlich behoben und ein entsprechendes Konzept seitens der Bundesregierung ausgearbeitet werden.

David: Ich würde die Frage gerne mit Blick auf unser Geschäftsmodell von PRIOGO beantworten wollen. Hier muss ich sagen, gibt es aus unserer Sicht zum Glück keine großen Stellschrauben mehr. Gerade die Investition in Aufdach-PV-Anlagen, die unser Kerngeschäft bilden, ist heute schon in allen Segmenten hoch rentabel. Sicherlich gibt es noch kleinere Punkte, die stetig verbessert werden können, aber das würde hier zu sehr ins Detail gehen. Wichtig ist für uns aber vor allem die Ressource Mensch – und hier sehe ich auf politischer Ebene definitiv noch Handlungsbedarf. Denn wir brauchen endlich passende Ausbildungsgänge für die Erneuerbaren Energien; die Lehrpläne der Ausbildungsberufe bringen junge Menschen aktuell noch viel zu wenig in Kontakt mit unseren modernen Technologien. Das sollte sich in Zukunft dringend ändern.

PRIOGO Wachstumsfinanzierung

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